Wo ist die Langeweile hin?

Langweilst du dich manchmal noch? Das habe ich mich letztens wirklich gefragt, ob Langeweile überhaupt noch existiert. Mir kam das in den Sinn, als ich vor Kurzem bestimmt seit einer Ewigkeit zu meinem Freund gesagt habe, mir sei langweilig und mich im gleichen Moment erschrocken habe, dass ich dieses Gefühle mal wieder erlebe.

Du kennst das sicher auch noch von früher, als man als Kind gerufen hat: „Mama mir ist langweilig“ – Die schlechteste Antwort kam prompt: „Dann mach ein Handstand und lach,

oder dein Zimmer könnte auch mal wieder aufgeräumt werden.“

Ich empfand das als ein unangenehmes und unerträgliches Gefühl – ich habe Langeweile gehasst. Um sie schnell wieder loszuwerden, wurde ich dann oft kreativ und habe mir ausgedacht, was ich jetzt spielen, malen, basteln etc. könnte.



Heute wären zwar meine Empfindungen gegenüber Langeweile nicht anders, doch wo nichts ist, kann auch nichts gefühlt werden. Sie taucht so gut wie gar nicht mehr auf, zumindest ist das bei mir der Fall. Viel zu beschäftigt oder abgelenkt bin ich am Tag - arbeiten, Freizeitstress und wenn man dann doch mal auf der Couch liegen sollte, muss ich mich ja nicht mal bewegen, um eine eventuell aufkeimende Langeweile zu stoppen: Ich greife dann einfach beherzt nach meinem Smartphone, öffne Instagram und scrolle nicht selten stundenlang durch irgendwelche Stories und Profile. Oftmals lasse ich mich dann noch zu irgendwelchen Online Shops weiterleiten und mach mir den Warenkorb voll, der bei der nächsten Aktualisierung wieder entleert wurde – nicht zu vergessen, dass ich zuvor die Netflix-Taste auf der Fernbedienung gedrückt habe, um meine Serie weiter zu suchten. Zwischendurch verschicke ich noch ein paar Sprachnachrichten bei WhatsApp, da einige Nachrichten schon seit einer Weile nicht beantwortet wurden. Für mich ist das Normalität geworden und die Zeit verfliegt dabei. Doch an manchen Abenden ärgere ich mich wirklich, dass ich meine freie Zeit verplempert und sie nicht sinnvoller genutzt habe. Ich fühl mich dann wirklich unbefriedigt. (Anmerken will ich, dass es natürlich auch einfach mal gut tut, wenn man entspannt netflixt und ein wenig sein Social Life auf Vordermann bringt, gerade wenn man eine anstrengende Woche hinter sich hat – mir geht es vielmehr um die Gewohnheit dabei und die nicht mehr vorhandene Langweile).


Ich finde das eine erstaunliche Entwicklung und da mich das Thema dann wirklich interessiert und beschäftigt hat, habe ich dazu ein bisschen recherchiert.

Im Zuge dessen fiel mir ein sehr guter Ted Talk* in die Hände, den ihr euch anstatt den neuen Instagram Feed zu laden unbedingt mal anschauen müsst. Mir hat er ein bisschen die Augen geöffnet und mich zum Nachdenken angeregt.

Es ist wirklich so, dass man durch das Spüren von Langeweile kreativer und produktiver ist, neue Ideen bekommt sowie seine eigentlichen Ziele wieder viel besser spürt. In den Zeiten, in denen man sich zu sehr mit anderen Dingen ablenkt, wird oftmals Zeit vergeudet, in der man eigentlich was für sich machen könnte. Die Speakerin sagte auch den Satz und den fand ich besonders einprägend, dass man sich auch immer darauf besinnen soll Smartphones als Werkzeuge anzusehen,... Sie hat damit auch recht, oder?

Und der Grund für das Entstehen von Kreativität ist, dass in „langweiligen Momenten“ das Gehirn in eine Art Ruhezustand schaltet und anfängt das Unterbewusstsein zu erforschen – die Gedanken wandern. Man beginnt jenseits des Bewusstseins zu denken, was neue und andere Verbindungen entstehen lässt. Ideen werden verknüpft, Probleme werden gelöst und neue Ziele werden gesetzt.


Also anstatt mal wieder eine Reihe von To-Do´s zu erledigen oder das Smartphone in die Hand zu nehmen, lieber mal wieder Tagträumen und die Gedanken fliegen lassen – mal sehen was euch dann so in den Sinn kommt. Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert.

Ich probiere es seitdem hin und wieder und versuche mich bewusst zu langweilen, also mir einfach Zeit zu nehmen nichts zu tun. Anfangs war es wirklich ungewohnt und auch irgendwie echt komisch – ich wurde sogar ein bisschen unruhig und ungeduldig. Für mich hat(te) das auch in gewisser Weise mit Kontrolle abgeben zu tun, nicht alles koordinieren zu müssen, auch Stress loszulassen und dabei jeglicher ABLENKUNG zu widerstehen. Ich glaube es dauert auch seine Zeit bis dann wirklich ein kreativer Prozess in Gang kommt und man davon Benefits hat. Das Gehirn muss ja auch erst wieder lernen mit Langeweile umzugehen.

Aber ich bin mir sicher, dass in der kommenden Zeit neue Gedankenblitze auftauchen werden. Also worauf wartest du, lass deine Gedanken wandern.


*Ted Talks: Sind Vorträge von Experten, die als Videos im Internet frei zugänglich sind. Den Themen sind keine Grenzen, aber die Ideen müssen in 18 Minuten begeistern und inspirieren. Ursprung war eine alljährliche Innovations-Konferenz in Kalifornien.

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