Beruf(ung)


Beruf und in gewisser Weise auch Berufung sind Themen, welche mich aktuell sehr beschäftigen. Ich schloss vor kurzem mein Studium ab und wartete auf dieses Freiheitsgefühl, vergleichbar mit dem vom Abitur damals – ihr wisst schon... dieses Hoch, dass einem die Welt offen steht und man jetzt ganz groß und erwachsen ist. Doch ich habe gewartet und gewartet, aber das Gefühl blieb aus. Zwar schaute es kurz vorbei, als ich meine Masterarbeit einreichte und die Verteidigung hinter mir hatte, doch nach einem "aperolreichen" Abend war es das dann auch schon fast. Ich fühlte mich weder frei noch spürte ich irgendeine "Offenheit" der Welt. Vielmehr merkte ich wie sich Druck breit machte und fast schon ein wenig Schwere in mir hochkam.


Wie gehts weiter?



"Was soll ich denn jetzt auf die häufige Frage bezüglich meiner Zukunft antworten?" Eine eigentlich total normale Frage, die ich auch jedem Absolvent stelle, machte mir auf einmal Angst. Ich wusste einfach noch nicht wo oder in welcher Art von Unternehmen ich mich sehe. Und weiß es vielleicht aktuell immer noch nicht zu 100 Prozent. Anstatt Freude über meine freie Zeit zu haben, bekam ich fast schon Panik, obwohl es mein Plan war erstmal abzuschalten, es mir gut gehen zu lassen und all das zu machen, worauf ich Lust habe und wonach mir ist. Ich wollte den Sommer frei haben. Und jetzt war ich offiziell frei, aber doch gefangen in meiner Angst vor morgen. Die Sorgen über meine Zukunft trieben mich rum - "Verdammt wie finde ich meine(n) (Beruf)ung? Ich muss doch wissen, was ich will?!"

Ich selbst machte mir diesen enormen Druck, da ich der Meinung war, dass ich jetzt lang genug studiert habe und endlich ins Berufsleben starten muss. Ich wollte endlich unabhängig sein. Ich spürte auch die Erwartungen von außen auf mich einprasseln - nicht von meiner Familie, meinem Freund oder meinen Freunden, vielmehr von der Gesellschaft im Allgemeinen. Als Abiturient ist man noch jung, hat Möglichkeiten sich auszuprobieren oder sich einfach erstmal für eine bestimmte Zeit treiben zu lassen und zu chillen, doch nach dem Studium ist man auf einmal im Ernst des Lebens angekommen. Ich kannte mich und wusste, dass ich einen groben Fahrplan für die Zukunft brauche, wenn ich die eigentlich wohlverdiente Auszeit genießen möchte. Also musste ich mich ein Stückchen an meine(n) Beruf(ung) herantasten und richtig hineinfühlen.


Wo möchte ich hin?



Zunächst half es mir erstmal den Druck aus der ganzen Angelegenheit zu nehmen, indem ich verstand, dass ich nicht direkt eine Berufung haben muss. Mein Traumjob muss durch Erfahrungen erstmal reifen – also strich ich die Idee direkt den Job zu finden, der mich total erfüllt und ausfüllt. "Wie soll ich das auch wissen, da ich erst durch die Praxis sehen kann in welche Richtung ich mich beruflich weiterentwickeln möchte. Wie oft ist die Vorstellung in der Theorie ganz anders als das echte Leben!"

Um aber eine Tendenz zu entwickeln und ein Gefühl für mich und meine Fähigkeiten zu bekommen, begann ich Gespräche zu führen und sämtliche Tipps einzuholen. Ich sprach mit Menschen, deren Jobs für mich interessant sind, aber auch mit denjenigen, die mich gut kennen und einschätzen können. Und während dieser Unterhaltungen kristallisierte sich immer wieder ein Zauberwort heraus, nämlich Anzufangen - einfach mal anfangen und ausprobieren. Wie in so vielen Dingen im Leben muss man losgehen und dann immer wieder innehalten und wenn notwendig die Richtung wechseln. Am besten ist es sich auf sämtliche Stellenausschreibungen zu bewerben, die für einen spannend und ansprechend klingen, um dann im Folgendem hoffentlich auch Bewerbungsgespräche führen zu können.

Hier werde ich mit Sicherheit Absagen und komische Gespräche erleben sowie überhaupt keine Antworten erhalten. Doch durch jedes geführte Gespräch bekomme ich weiter Aufschluss über meine beruflichen Wunsch und bin noch besser für Weitere gewappnet.

Das schreibt sich jetzt so einfach, aber der Umgang mit Ablehnung wird gar nicht so leicht werden - wie ich es dann hoffentlich schaffe diese nicht auf meine Person zu beziehen, will ich euch dann berichten, wenn es soweit ist.


Nachdem ich jetzt aber erstmal den Druck ein wenig losgelassen habe und in etwa weiß, welche Jobs und Bereiche ich attraktiv finde, geht es mir viel besser. Seither schaut die Zukunftsangst auch nicht mehr so häufig vorbei und ich nehme mir mehr Zeit zum Durchatmen. Aktuell befinde ich mich im "Anfangen" und schreibe Bewerbungen. Wem geht es von euch denn ähnlich? Wie seid ihr damit umgegangen oder welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Ich werde euch auf dem Laufenden halten und von meinen Erfahrungen auf jeden Fall berichten.

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